Gerhart-Hauptmann-Gymnasium


Sobald jemand in einer Sache Meister geworden ist, sollte er in einer neuen Sache Schüler werden.

Geschichte

Vom Schulhaus zum Gymnasium

Das heutige Gerhart-Hauptmann-Gymnasium blickt auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurück. Sein Schulgebäude entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Knabenvolksschule und wurde seitdem unter sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen als Schulstandort genutzt.

1900–1906: Planung und Bau der Knabenvolksschule

Um 1900 war die Situation der Wismarer Volksschulen schwierig. Viele Unterrichtsräume waren zu klein, im Winter nicht ausreichend beheizt und schlecht belüftet; auch die Lichtverhältnisse entsprachen nicht mehr den Anforderungen. Die Knaben der unteren Bevölkerungsschichten wurden zudem auf mehrere Schulstandorte im Stadtgebiet verteilt unterrichtet.

„Der Neubau für eine Knabenvolksschule kann nicht länger hinausgeschoben werden.“

Als Standort erwarb die Stadt rund 5.300 Quadratmeter Gartenland an der Reiferbahn. Das Grundstück lag zwar nicht im Zentrum des damaligen Schulbezirkes, bot mit seiner Lage zwischen Gärten und abseits der Industriebetriebe jedoch gute Voraussetzungen für einen Schulneubau.

Im Sommer 1902 wurde der Wismarer Architekt Johann Busch mit den Entwürfen und einem Kostenvoranschlag beauftragt. In die Planungen flossen auch Hinweise des Schuldirektors Troitzsch ein; zur Begutachtung wurde außerdem der Schweriner Baudirektor Gustav Hamann hinzugezogen.

Zunächst war ein Schulhaus mit 16 Klassenräumen vorgesehen. Aufgrund der stark wachsenden Schülerzahlen wurde die Planung jedoch auf 24 Klassenräume auf drei Etagen erweitert. Der eigentliche Bau begann im Juli 1903, die feierliche Übergabe erfolgte zu Ostern 1905.

„Das Schulgebäude ist in heimischer Backsteingotik errichtet […] unter sparsamer Verwendung von Form- und glasierten Steinen. Das Hauptgewicht ist auf eine schlichte Gruppierung gelegt.“

Bereits im Dezember 1905 wurde der vollständige Innenausbau des zweiten Obergeschosses beschlossen. Im ersten Halbjahr 1906 konnte auch dieser Bereich genutzt werden. Zu dieser Zeit besuchten rund 840 Jungen der Klassen 1 bis 7 die Knabenvolksschule. Die Klassenstärken lagen zwischen 41 und 48 Schülern.

1914–1945: Schule in Kriegs- und Krisenzeiten

Während des Ersten Weltkrieges wurden die Räume der Knabenvolksschule als Reservelazarett genutzt. Die Schüler wurden in dieser Zeit unter anderem in der Mädchenvolksschule am Badstaven unterrichtet.

1920 wurden die Wismarer Volksschulen verstaatlicht. Damit übernahm der Staat die Personalkosten und die Aufsicht über den inneren Schulbetrieb, während die Stadt weiterhin für die sachlichen Kosten des Schulgebäudes verantwortlich war. In den 1930er Jahren entstand hinter dem Gebäude ein Schulhof.

Nach 1933 wurde das Schulgebäude zunehmend auch außerhalb des regulären Unterrichts genutzt. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges veränderten sich Lehrpläne und Aufgaben der Schule grundlegend. Bereits 1939 wurde im Gebäude ein Hilfskrankenhaus eingerichtet, weil Teile des städtischen Krankenhauses der Wehrmacht zur Verfügung gestellt werden mussten.

Die zunehmenden Auswirkungen des Krieges erschwerten den Unterricht immer stärker. 1942 waren die Schulverhältnisse infolge der Bombenangriffe bereits so beeinträchtigt, dass ein geregelter Schulbetrieb kaum noch möglich war. Gegen Ende des Krieges wurde der Unterricht schließlich vollständig eingestellt.

1945–1992: Von der Knabenvolksschule zur Gerhart-Hauptmann-Schule

Im Oktober 1945 wurde der Unterricht unter schwierigen Bedingungen wieder aufgenommen. In Wismar mussten 47 Lehrkräfte rund 4.300 Schülerinnen und Schüler im Schichtbetrieb unterrichten. Das Gebäude der Knabenvolksschule konnte erst im September 1946 wieder regulär als Schule genutzt werden und diente gleichzeitig der Ausbildung dringend benötigter Neulehrer.

1949 erhielten die Schulen im Wismarer Stadtkern neue Namen. Aus der Knabenvolksschule wurde die Gerhart-Hauptmann-Schule.

Anfang der 1950er Jahre wurden noch immer rund 1.500 Schülerinnen und Schüler im Gebäude unterrichtet. Der Unterricht fand wechselweise am Vormittag und am Nachmittag statt. Mit der Einführung der Zehnklassenschule wurde die Gerhart-Hauptmann-Schule 1955 zur Mittelschule. 1959 erfolgte die Umwandlung zur zehnklassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule (POS), die bis zum Ende des DDR-Schulsystems 1990/91 bestand.

Seit 1992: Das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium

Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung wurde das Schulwesen neu geordnet. Grundschul- und Realschulklassen wurden getrennt, zugleich wurden zunächst auch Gymnasialklassen der Großen Stadtschule im Gebäude unterrichtet.

1992 entstand das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium. Die Gründung des Gymnasiums wurde mit einem zweitägigen Schulfest gefeiert. Der starke Zulauf zu den Gymnasien hatte neben der Großen Stadtschule und dem Helene-Weigel-Gymnasium die Einrichtung eines dritten Gymnasiums in Wismar notwendig gemacht. Erster Schulleiter des neuen Gymnasiums wurde Wolfgang Box.

Seitdem entwickelte sich das GHG kontinuierlich weiter. Neben dem Unterricht prägten zahlreiche Projekte, Arbeitsgemeinschaften, internationale Kontakte und das Engagement von Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie Lehrkräften das Schulleben.

Neuere Geschichte des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums

1992

  • Gründung des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums und zweitägiges Schulfest.

1993

  • Auf Anregung von Herrn Reichelt entsteht der Schulclub und etabliert sich als Teil des Schullebens.

1994

  • Gründung des gemeinnützigen Schulvereins.

1995

  • Am 9. Mai öffnet die Schule erstmals ihre Türen zum Tag der offenen Tür.

1996

  • Das Schulprojekt zur Toleranz „Umwelt – erleben – gestalten – verändern“ entwickelt Ideen zur Neugestaltung des Schulhofes. Im Rahmen des Projektes werden unter anderem zehn Bäume gepflanzt und ein Teich angelegt.
  • „Schule bekennt Farbe“: Auf Initiative von Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften erhalten mehrere Räume einen neuen Anstrich.
  • Die Schülerzeitung „Der Hauptmann“ wird gegründet.

1997

  • Das fünfjährige Bestehen des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums wird gefeiert.

1998

  • Die Abiturzeugnisse werden erstmals feierlich in St. Georgen übergeben.
  • Die Schulbibliothek öffnet ihre Türen.
  • Die Arbeiten zum Ausbau des denkmalgeschützten Gewölbekellers zum Clubkeller beginnen. Unter dem Motto „Wie man Katakomben wachküsst“ beteiligen sich Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte an zahlreichen Arbeitseinsätzen.

1999

  • Aus Kontakten zu Schülerinnen und Schülern in Schweden, Frankreich und Polen entwickeln sich internationale Schüleraustausche.

2000

  • Das GHG erhält einen Internetanschluss und präsentiert sich mit einer eigenen Homepage.
  • Nach mehrjähriger gemeinsamer Arbeit wird der Clubkeller feierlich eröffnet.

2001

  • Das erste gemeinsame Hoffest der 5. und 6. Klassen findet auf dem Gelände des „Hauses Weigel“ statt.
  • Das GHG wird Pilotschule im bundesweiten Projekt „denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule“.
  • Im Zuge der Neuordnung der Wismarer Schullandschaft wird das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium mit dem Helene-Weigel-Gymnasium zusammengelegt. Im Schuljahr 2001/2002 findet der Unterricht zunächst noch an beiden Standorten statt.

2004

  • Die letzten Klassen des ehemaligen Helene-Weigel-Gymnasiums wechseln an den Standort des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums.
  • Mit 915 Schülerinnen und Schülern sowie 62 Lehrkräften ist das GHG zu diesem Zeitpunkt die größte Schule der Stadt Wismar.

2008

  • Das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium wird als 100. Schule in das nationale Excellence-Schulnetzwerk MINT-EC aufgenommen.

Geschichte entdecken

Seit der Gründung des Gymnasiums haben zahlreiche Projekte, Wettbewerbe, Begegnungen und gemeinsame Aktionen die Geschichte unserer Schule geprägt. Eine vollständige Aufzählung all dieser Ereignisse würde den Rahmen dieser Seite sprengen. Viele davon finden sich jedoch in älteren Beiträgen und Dokumenten unserer Schule wieder.

Die ausführliche Chronik des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums befindet sich im historischen Schrank im unteren Flur des Schulgebäudes.